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IHK-INNOVATIONSBOTSCHAFTER

Weiter als die Konkurrenz

Der Produkttester: Ralf Holschumacher

Auf dem Schreibtisch von Ralf Holschumacher, Werkdirektor der Mapa GmbH in Zeven, stapeln sich Akten und Papiere. Das ist sicher nicht weiter ungewöhnlich für einen Unternehmer. Daneben aber liegen Trinkflaschen und Sauger – das muss er erklären. „Ich will meine Produkte anfassen können“, sagt Holschumacher. Wenn neue Flaschen aus der Mapa-Produktion kommen, landen die Prototypen zuerst bei ihm – und werden auf Herz und Nieren getestet. Mittlerweile stehen hunderte Trinkgefäße aus Kunststoff oder Glas auf seiner Fensterbank. „Wir haben eine große Produktpalette,
die wir jedes Jahr überarbeiten. Dabei kommt einiges zusammen“, sagt Holschumacher. Keine Flasche gleicht der anderen. Auf den bauchigen Trinkgefäßen tummeln sich mal Bienen, mal Bären, mal Libellen. Grasgrün oder leuchtend gelb, groß oder klein, dick oder dünn sind die Flaschen, die wohl fast jeder schon mal in seinen Händen hielt. Auch wenn es bei den meisten wohl schon eine ganze Weile her ist.

Mapa_GmbH_Holschumacher © IHK/Tamme Zoom Ralf Holschumacher, Werkdirektor der Mapa GmbH, ist für Werke in Deutschland, Asien, Amerika und Brasilien zuständig.

Die Mapa GmbH produziert und vertreibt neben Kondomen, Schwämmen und Handschuhen vor allem Produkte für den Alltag von Mutter und Kind. Trinken Babys aus Flaschen oder nuckeln an Saugern, hat das Unternehmen in Zeven, zwischen Hamburg und Bremen, meist seine Finger im Spiel. „Wir sind mit unserer Marke NUK in Deutschland Marktführer. Und das wollen wir bleiben“, sagt  Holschumacher. Doch die Konkurrenz um Platz eins ist groß; das Team aus Ingenieuren, Technikern und Marketingspezialisten darf sich deshalb nicht zurücklehnen. „Heute läuft es gut, doch morgen kann es schon wieder ganz  anders sein“, weiß Holschumacher. Seit  mehr als sieben Jahren arbeitet der neue IHK-Innovationsbotschafter bei der Mapa GmbH. Unter seiner Regie entstehen Flaschen und Sauger, die kindgerechter und schöner werden sollen. Ingenieure tüfteln deshalb wochen- und monatelang über neuen Ideen. Designer entwickeln originelle Farbkonzepte. Techniker optimieren die Produktion. „Eine Flasche ist nicht nur eine Flasche. Wir wollen und müssen innovativ sein“, sagt Holschumacher.

Vom Henkel bis zum Verschluss: Bei Mapa ist alles durchdacht, überprüft und von Medizinern erprobt. Jedes noch so kleine Detail ist wichtig. Sei es der durchbeißfeste Trinkhalm, für den weniger Saugkraft als zuvor nötig ist. Oder der Deckel, der sich auf jede der mehr als 200 Flaschen im Mapa-Sortiment drehen lässt. Zwischen der Idee und dem fertigen Produkt liegen manchmal
nur wenige Monate, manchmal Jahre. Mapa orientiert sich an den Wünschen seiner Kunden – und weil das Unternehmen weltweit liefert, ist das gar nicht so leicht. Denn die Bedürfnisse variieren stark. „Dank unserer regelmäßigen Kundenbefragungen können wir aber immer besser einschätzen, was den Menschen gefällt und was nicht“, sagt Holschumacher. In Amerika verkauft sich die Flasche in Camouflage-Optik im Moment sehr gut. Produkte in knalligen Farben mit ungewöhnlichen Motiven sind in Asien beliebt. Schlichter und klassischer mögen es dagegen die Europäer.

Natürlich und kiefergerecht – NUK kann inzwischen auf seinen guten Namen vertrauen. „Aber das allein reicht nicht. Mit  jedem Produkt müssen wir uns neu beweisen“, sagt Ralf Holschumacher. Sauger und Flaschen verkaufen sich seit Jahrzehnten bestens. Überraschend gut läuft seit drei Jahren auch ein Spülmittel. Dank Umfragen wusste Mapa: Eltern wollen Flaschen und Sauger ohne aggressive Chemikalien säubern. Das Unternehmen reagierte darauf und brachte einen Reiniger auf den Markt, der mit naturbasierten Inhaltsstoffen alle Milchreste entfernt. Produziert von einem Partner, beworben und verkauft unter dem Markennamen NUK und bis heute sehr erfolgreich. Ein gutes Beispiel für eine innovative Idee. Für Ralf Holschumacher ist das Motivation für die Zukunft: „Wir bleiben nicht stehen, sondern gehen weiter. Weiter als die Konkurrenz.“



Die Ideengeberin: Anja Van Bocxlaer

Anja Van Bocxlaer weiß, was sie will. Vor sieben Jahren gründete sie einen Verlag und brachte ein neues Magazin über kontaktlose Datenübertragung auf den Markt. In Eigenregie und ohne jegliche Fördermittel: „Die Gründung war eine echte Herausforderung“, sagt die neue IHK-Innovationsbotschafterin heute: „Aber ich habe sie gern angenommen.“ Dabei konnte Anja Van Bocxlaer auf ihre Erfahrung vertrauen. Nach ihrem Studium arbeitete sie regelmäßig für Tageszeitungen, schrieb außerdem Berichte über Datentechnologien für ein Magazin. Als die Zeitschrift eingestellt wurde, entschied sich Anja Van Bocxlaer für die Selbstständigkeit. Die Verlagsarbeit begann in einer ausgebauten Garage. Mittlerweile sitzen sie und ihre 13 Mitarbeiter in einem hellen Büro an der Lüneburger Straße in Amelinghausen.

anja van bocxlaer 2 © privat Zoom Vor sieben Jahren gründete Anja Van Bocxlaer ihren eigenen Verlag - in Eigenregie und mit Erfolg.

RFID im Blick – der Magazintitel ist Programm. Reportagen und Interviews drehen sich jeden Monat neu um Fragen rund um die Radio-Frequency-Identification-Technologie, kurz RFID. Ein sechsköpfiges Redaktionsteam erklärt, welche Aufgaben elektromagnetische Wellen in Industrie, Handel, Logistik und im Alltag übernehmen können. Anja Van Bocxlaer haucht diesem komplizierten Thema seit mehr als zehn Jahren Leben ein: „Ich gebe Gedanken treffende Begriffe und bringe komplexe Sachverhalte auf den Punkt.“ Was so einfach klingt, ist harte Arbeit. Und die war offenbar dringend nötig – das Magazin füllt eine Lücke unter den Fachpublikationen. Im Prinzip hat sie nur einen Konkurrenten auf dem Markt: das englischsprachige RFID-Journal.

Wo ist was? Funkchips helfen Unternehmen, in der Logistik den Überblick zu behalten. Dank RFID können Informationen zu Waren kontaktlos und in Echtzeit übertragen werden. Diese Vorteile nutzen Unternehmen aller Branchen, ob in der Textil- oder in der Automobilindustrie. „Ich sehe mich in der Rolle der Vermittlerin“, sagt Anja Van Bocxlaer: „Schließlich sollen noch mehr Unternehmen davon erfahren.“ Bisher nutzen die RFID-Technologie vor allem große Betriebe. Doch auch für kleinere kann sich die Technik lohnen. Anja Van Bocxlaer erklärt ihnen, was möglich ist. 

Das Magazin ‚RFID im Blick‘ war nur der Anfang. Inzwischen veröffentlicht Anja Van Bocxlaer auch Verbandszeitschriften und organisiert Veranstaltungen. Im vergangenen Jahr rief sie einen RFID-Kongress ins Leben, um Unternehmen zusammenzuführen. Rund 120 Teilnehmer folgten der Einladung – ein Erfolg, der wiederholt werden soll. Dabei steht die Verlagschefin als Moderatorin auf der Bühne und überzeugt mit Fachwissen und einem Gespür für die richtigen Themen. Auch die persönliche Herausforderung scheut sie nicht: „Eigentlich stehe ich nicht so gern vor so vielen Menschen, aber es gehört nun mal dazu.“ Der Kongress war schließlich ihre Idee, eine von vielen. 

„Business ist Wachstum.“ Das sagt Anja Van Bocxlaer nicht nur den Unternehmern, die sie auf Veranstaltungen trifft. Diesen Anspruch stellt sie auch an sich selbst. Nur so konnte aus ihrer Verlagsidee Wirklichkeit werden. Zweifel hatte sie dabei selten. "Wenn die innere Überzeugung stimmt, dann funktioniert es auch.“ Das zeigt auch das personelle Wachstum ihres Unternehmens: Anja Van Bocxlaer hat in den vergangenen Jahren einige junge Männer und Frauen eingestellt. Außerdem bildet sie Medienkaufleute und Volontäre aus. Mit dem Aufgabenfeld wächst das Team.

„Man muss sich verändern, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagt Anja Van Bocxlaer, die auch für die kommende Zeit viele Pläne hat. Im März findet ein weiterer RFID-Kongress statt. Ein englischsprachiges Fachmagazin zur Near Field Communication, dem kontaktlosen Datenaustausch über kurze Strecken, steht in den Startlöchern. Und zusätzliche Online-Angebote sollen das Verlagsangebot bereichern. „Wir haben uns viel vorgenommen. Ich bin dabei Leader und Manager“, sagt Anja Van Bocxlaer. Texte schreibt sie immer weniger selbst. Viel mehr Zeit kosten inzwischen die organisatorischen Aufgaben. „Ich empfinde das aber nicht als Arbeit, sondern als Vergnügen.“

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16.05.2012

EU-Klimapolitik muss verlässlich bleiben

Die Klimaschutz-Ziele der Europäischen Union schienen geklärt, die für ihre Erreichung erforderlichen Maßnahmen festgelegt. Doch nun mehren sich Vorstöße, die Zielmarken heraufzusetzen und die Regeln für den Emissionshandel zu verschärfen – einmal mehr im europäischen Alleingang. Der DIHK warnt nachdrücklich davor, den Unternehmen in Europa Planungs- und Rechtssicherheit vorzuenthalten und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.