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JANUAR 2012

Offene Hochschule mit Leben füllen

Ein Studium ohne Abitur - das 2010 novellierte niedersächsische Hochschulgesetz macht es möglich, mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und danach drei Jahren Berufspraxis fachgebunden zu studieren. Absolventen mit einer erfolgreich abgelegten Fortbildungsprüfung, wie beispielsweise Fachkaufleute, Fachwirte, Meister oder Techniker, haben sogar die Berechtigung, uneingeschränkt an allen Hochschulen des Landes alle Studiengänge zu belegen. Dass die Zahl der Studierendenmit berufspraktischem Hintergrund noch nicht wie gewünscht gestiegen ist, liegt aus Sicht des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK) vor allem daran, dass das Konzept der 'Offenen Hochschule' noch nicht ausreichend bekannt ist, dass es zu wenig berufsbegleitende Studiengänge gibt und dass noch immer nicht landesweit einheitlich geregelt ist, welcher Ausbildungsberuf zu welchem Studium berechtigt. Um sowohl die Kosten als auch die Studiendauer zu  minimieren müssten zudem mehr Leistungen aus Fortbildungsprüfungen angerechnet werden.

Offene Hochschule – Chance für Unternehmen und Arbeitnehmer

Das in 2010 novellierte niedersächsische Hochschulgesetz macht es möglich, auch ohne Abitur, aber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und danach drei Jahren Berufspraxis fachgebunden zu studieren. Absolventen mit einer erfolgreich abgelegten Fortbildungsprüfung, wie beispielsweise Fachkaufleute, Fachwirte, Meister oder Techniker, haben sogar die Berechtigung, uneingeschränkt an allen Hochschulen des Landes alle Studiengänge zu belegen. Eine solche Fortbildungsprüfung kann ein Studium zudem erheblich verkürzen und kostengünstiger gestalten. Durch den Abschluss können so genannte 'Credit Points' erworben werden, die auf das Studium angerechnet werden, so dass dort bestimmte Module nicht mehr durchlaufen werden müssen.

Vor dem Hintergrund des immer größer werdenden Fachkräftemangels in vielen Unternehmen müssen in der Fortbildung dringend neue Wege beschritten werden. Ein Studium auch für Arbeitnehmer zu öffnen und attraktiv zu machen, die ihre klassische Berufsbildung schon abgeschlossen haben, ist das innovative und auch erforderliche Konzept der 'Offene Hochschule'. Bestenfalls passiert das mit berufsbegleitenden Studiengängen. Das hat den Vorteil, dass die Fachkräfte weiterhin in den Betrieben beschäftigt bleiben.

Geschickt eingesetzt könnten mit der 'Offenen Hochschule' mehr Personen dazu animiert und motiviert werden, auch in den so genannten Mangelfächern im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich zu studieren. Damit kann der von den Unternehmen so dringend benötigte akademische Nachwuchs gebildet werden.

Potenzial nicht ausreichend genutzt

Im Wintersemester 2010/2011 haben sich laut Niedersächsischem Ministerium für Wissenschaft und Kultur 417 Studierende auf Grund ihrer beruflichen Qualifikation oder einer vorgeschalteten Begabtenprüfung eingeschrieben (2006/07 waren es 380). Das entspricht 1,5 Prozent der Studienanfänger (2006/07: 1,7 Prozent) – viel zu wenig, wenn es nach der niedersächsischen Wirtschaft geht. Um auch auf lange Sicht den Fachkräftebedarf zu decken und den demografischen Wandel zu kompensieren, müssten sich weit mehr Absolventen aus der beruflichen Bildung für eine Hochschulausbildung entscheiden. Das kann jedoch nur gelingen, wenn die Angebote stimmen.

Die Umsetzung stockt

Die 'Offene Hochschule' ist bereits fast ein Jahr in Niedersachsen gesetzlich eingeführt. Trotzdem hat bisher keinen Ansturm auf die Hochschulen eingesetzt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens ist landesweit nicht für alle Berufe einheitlich geregelt, welcher Ausbildungsberuf zu welchem Studium berechtigt, also wird dies von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich gehandhabt. Zweitens sind berufsbegleitende Studiengänge derzeit noch rar gesät – Arbeitnehmer müssten zum Studium ihre Stelle aufgeben. Drittens steckt die Diskussion über die Anrechnung von Leistungen aus bestandenen Fortbildungsprüfungen und individueller Kompetenzen auf das Studium noch in den Anfängen. Mehr studienvorbereitende Maßnahmen könnten Berufspraktiker besser auf das wissenschaftliche Arbeiten im Studium vorbereiten und somit den Einstieg erleichtern sowie die Abbrecherquoten senken.

Was ist zu tun?

Aus Sicht der Wirtschaft gilt es, die Rahmenbedingungen künftig landeseinheitlich zu regeln, um damit die Studienhemmnisse zu minimieren. Wünschenswert wäre die Einrichtung einer zentralen Stelle, die die Hochschulen in Niedersachsen im Hinblick auf einheitliche Regelungen in Niedersachsen vorantreibt, unterstützt und aktuelle Sachstände bündelt.

Transparenz herstellen

Das Konzept der 'Offenen Hochschule' muss bekannter werden, die jeweiligen Zugangsberechtigungen müssen besser kommuniziert werden. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zum berufsbegleitenden Studium motivieren wollen, und die Mitarbeiter selbst müssen - möglichst über ein zentrales Informationsportal - leicht abrufbare und leicht verständliche Auskünfte über das Angebot der Offenen Hochschule in ihrer Nähe erhalten: Mit welchem Beruf kann nach der Ausbildung welcher Studiengang an welcher Hochschule belegt werden? Wie viele Credit Points können nach dem Abschluss einer Fortbildungsprüfung pauschal angerechnet werden und können auch individuelle Kenntnisse und Fertigkeiten angerechnet werden? Wie ist das Studium an den Hochschulen im Umfeld organisiert?

Berufsbegleitendes Studium ermöglichen

Damit möglichst viele Arbeitnehmer sich nach dem Abschluss ihrer Ausbildung und/oder ihrer Fortbildung zu einem Studium entschließen, müssen die Hochschulen mehr berufsbegleitende  Studiermöglichkeiten bieten – also in den späten Nachmittagsoder in den Abendstunden, am Wochenende sowie das 'Blended Learning', also das elektronische Lernen von zu Haus, verknüpft mit einigen Präsenzveranstaltungen an der Hochschule. Nur so ist es möglich, Fachkräfte für die Dauer eines Studiums im Betrieb zu halten.

Anrechnung von vorhandenen Kompetenzen

Personen, die nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einer erfolgreichen Fortbildung an einer Hochschule studieren wollen, haben schon viele Kenntnisse und Fertigkeiten erworben, die vor allem in den ersten regulären Semestern gelehrt werden. Sie aus formalen Gründen solche Seminare oder Vorlesungen besuchen zu lassen, entbehrt jeder Logik. Stattdessen müssen Vorleistungen aus der beruflichen Weiterbildung systematisch verankert werden. Je mehr Inhalte und Kenntnisse angerechnet werden können, desto größer wird die Motivation der Arbeitnehmer sein, ein  Hochschulstudium zu belegen.

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