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MICHAEL BARTELS

Der Wandel beginnt im Kopf

Bartels © IHK/Wege Zoom Michael Bartels ist Rechtsanwalt in Celle und Sprecher der Wirtschaftsjunioren Lüneburger Heide.

Seit Jahresbeginn startet schrittweise die Rente mit 67: Der Rentenbeginn für Beschäftigte verschiebt sich ab jetzt monatsweise bis 2029 nach hinten. Dann werden die meisten also insgesamt
zwei Jahre länger als bisher arbeiten müssen – jedenfalls, wenn sie keine Abschläge in Kauf nehmen wollen. CSU-Chef Horst Seehofer stellt diese Reform nun grundlegend in Frage. Mit ihm sei eine massenhafte Rentenkürzung nicht zu machen, sagt der bayerische Ministerpräsident. 

Werfen wir doch einen Blick auf die Fakten: Deutschland hat sich seit Einführung der gesetzlichen Rente im Jahr 1889 stark verändert. Die Rentenversicherung für Arbeiter sah damals eine Altersrente ab dem 70. Lebensjahr vor. Später wurde das bislang geltende Eintrittsalter von 65 Jahren festgelegt. Die Menschen werden jedoch immer älter und beziehen auch länger Rente. Gleichzeitig kommen immer weniger junge Menschen nach, die die Rente mit ihren Beiträgen finanzieren.

Diese Eckdaten machen eine öffentliche Debatte unerlässlich – und diese Debatte wurde ja bereits geführt, bevor die Große Koalition 2007 die Rente mit 67 beschloss. Die Lebensarbeitszeit wird bei steigender Lebenserwartung der Menschen zu erhöhen sein – allein, um die Rente finanzierbar zu halten. Die Rückkehr zum Renteneintritt mit 65 ist also keine Option.

Allerdings sollten wir die starre Altersgrenze grundsätzlich in Frage stellen. Warum muss ein Arbeitnehmer in Rente gehen, nur weil er ein bestimmtes Alter erreicht? Es gibt einen breiten Konsens, der
sich für flexiblere Übergänge in die Rente ausspricht. Diesen Konsens sollte die Politik aufgreifen: Ein Arbeitnehmer, der noch arbeiten möchte, könnte sich dann frei entscheiden und zugleich seine Rentenanwartschaften steigern. Dem Arbeitgeber ginge dann nicht quasi gesetzlich reguliert ein motivierter, qualifizierter und erfahrener Mitarbeiter verloren.

Als Arbeitgeber habe ich die rückläufige Anzahl qualifizierter Arbeitsuchender bereits zu spüren bekommen. Diese Entwicklung wird sich durch immer weniger junge Menschen noch verschärfen. Wenn
wir unsere Unternehmen nicht schrumpfen lassen wollen, müssen wir einerseits daran arbeiten die Produktivität zu erhöhen und anderseits alles dafür tun, die anfallende Arbeit mit mehr älteren Menschen zu erledigen.

Erschwerend wirkt die Tendenz, dass Arbeitnehmer bereits so früh wie möglich in den Ruhestand wechseln wollen – auch wenn sie dafür Rentenkürzungen hinnehmen. Hier kann die Politik nicht helfen; dieser Herausforderung müssen wir Unternehmer uns stellen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter ihre Arbeit nicht als lähmendes und notwendiges Übel begreifen.

Der Wandel, den wir benötigen, beginnt im Kopf. Wir brauchen Ideen, wie wir Mitarbeitern die Freude an der Arbeit erhalten, wie wir ältere Mitarbeiter an das Unternehmen binden und wie sie fit bleiben. In unserem Unternehmen gibt es zum Beispiel seit geraumer Zeit ein Sportprogramm, das die Mitarbeiter mittags ohne großen Aufwand nutzen können. Das ist ein möglicher Baustein, um die Arbeit attraktiver zu gestalten. Auch die fachliche Qualifizierung während des gesamten Arbeitslebens ist ein Schlüssel zum Erfolg: Die Produktivitätssteigerung durch moderne Technik darf nicht vor Älteren Halt machen.

Ältere Mitarbeiter sind eine Bereicherung für unsere Unternehmen – und junge kommen nicht ausreichend nach. Die Rente mit 67 ist also unverzichtbar. Schade nur, dass viele sie als reine Last begreifen. Wenn wir es schaffen, diese Wahrnehmung zu verändern, wenn unsere Mitarbeiter gern in unseren Unternehmen arbeiten, dann werden auch Politiker nicht mehr wider jeder Vernunft argumentieren.

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