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ROLAND SCHULZ

Für unsere Umwelt: global denken, lokal handeln

Der Klimawandel ist bereits in den Alpen und in der Arktis zu besichtigen, die Erderwärmung betrifft nicht nur die Malediven. Ein ansteigender Meeresspiegel erfordert auch vorbeugende Maßnahmen beim Küstenschutz in Norddeutschland. Trockenere und wärmere Sommermonate sowie stärkere Regenfälle im Winter bringen Veränderungen für das Binnenland mit sich, auf die es sich einzustellen gilt. Den damit verbundenen Fragen widmet sich unter anderem die Niedersächsische Regierungskommission Klimaschutz.

Die durch wetterbedingte Katastrophen verursachten Schäden beziffert ein Münchener Rückversicherer auf rund 100 Milliarden Euro jährlich. Der Klimawandel ist für etwa 30 Prozent davon verantwortlich. Neben den natürlichen Faktoren trägt aber auch das menschliche Handeln nicht unwesentlich zur Erderwärmung bei. Klimaforscher berechnen die Auswirkungen der Veränderung des CO2-Ausstoßes auf Temperaturanstieg und Anhebung des Meeresspiegels. Auch wenn man diesen physikalischen Modellen in punkto Exaktheit nicht uneingeschränkt zustimmt, können wir es uns nicht erlauben, in gewohnter Weise weiterzumachen. Wir müssen an den beeinflussbaren Stellschrauben drehen.

Als wichtigste Stellschraube gilt der Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid. Die Europäische Union und Deutschland haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Während die EU insgesamt bis 2020 ihre CO2-Emissionen mit einer Senkung von 40 Prozent noch verstärken. Mit einem jährlichen Ausstoß von 939 Millionen Tonnen Treibhausgasen liegt Deutschland jedoch –nur– auf dem sechsten Platz der Weltrangliste. Ganz vorn stehen China und die USA mit 6,5 bzw. 6,1 Milliarden Tonnen.

Die EU allein kann den Klimawandel nicht mildern. Alle großen Emittenten von Treibhausgasen müssen einen Beitrag zu leisten – auch bislang abseits stehende Industrieländer wie die USA und Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Wenig wäre zudem gewonnen, wenn energieintensive Branchen Produktionsstandorte aus Kostengründen in Regionen mit einem niedrigen Schutzniveau verlagern. Auch die Potenziale der Entwicklungsländer sind angesichts der globalen Herausforderung zu nutzen. Es liegt in unserem eigenen Interesse, diesen Ländern dabei projektgebundene finanzielle Hilfe zu geben.

Im Rahmen des Kyoto-Protokolls hatte sich die EU zu einer Reduzierung der Treibhausgase um acht Prozent gegenüber 1990 verpflichtet; Deutschland trägt mit einer Marke von 21 Prozent gut 75 Prozent zum Erreichen dieses Ziels bei. Aber 2012 läuft das internationale Abkommen von Kyoto aus.

Die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen hat die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Zwar wird eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf plus zwei Grad Celsius als Ziel anerkannt. Statt eines verpflichtenden Abkommens, wer welchen Beitrag dafür zu leisten hat, beschränkten sich die 193 Teilnehmerstaaten auf die Vereinbarung, bis Ende Januar nationale oder gemeinsame Treibhausgas-Emissionsziele für 2020 vorzulegen.

Globales Denken und Handeln hindern niemanden daran, lokal etwas für den Klimaschutz zu tun, z. B. stärker die Potenziale für eine Steigerung der Energieeffizienz zu nutzen. Ein hohes Umweltschutzniveau und der Ausbau der CO2- freien Stromerzeugung haben dazu beigetragen, dass Teile der deutschen Industrie in ihrem Segment marktführend sind. Wer aber die begrenzten Mittel möglichst wirksam für den Klimaschutz einsetzen will, kommt um ein marktwirtschaftliches Lenkungsinstrument nicht herum. Bei marktkonformer Gestaltung ist das der Emissionshandel. Er sollte über die EU-Mitglieder hinaus zu einem globalen Handelssystem ausgebaut werden.

Roland Schulz
Leiter des Bereichs Innovation und Umwelt


Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' Januar 2010

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