Das Wichtigste gleich vorab: Die A 39 hat für die Bundesregierung höchste Priorität. Das sagte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, beim Geburtstagsempfang des Nordland-Autobahn-Vereins in Wolfsburg. Das Ziel ist also in Sicht, aber noch nicht erreicht. Denn noch fehlt die Finanzierungszusage. Aber Ferlemann will sich für die Aufnahme der ersten Baukosten in die mittelfristige Finanzplanung des Bundes stark machen. Auch bei der Ostumfahrung Hamburg, der A 21, sind noch Hausaufgaben zu erledigen: Sie muss in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans heraufgestuft werden, damit die Planungen endlich beginnen können.
Die Anbindung eines Standortes an eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist für die gewerbliche Wirtschaft unverzichtbar. Der funktionierende Austausch von Waren und Dienstleistungen ist Voraussetzung und Garant für Wirtschaftswachstum und für den Wohlstand der Gesellschaft. Wirtschaftliches Handeln ist heute geprägt durch geringe Fertigungstiefe, verkürzte Produktzyklen und reduzierte Lagerhaltung. Um diesen Erfordernissen gerecht zu werden, sind bedarfsgerechte Anschlüsse an das Fernstraßennetz notwendig. Sonst besteht die Gefahr, von anderen Regionen abgehängt zu werden. Dies gilt besonders im Hinterland von Seehäfen, über die ein Viertel des gesamten deutschen Außenhandels abgewickelt wird. Ihr Umschlag wächst zwei- bis dreimal schneller als das Bruttoinlandsprodukt.
Autobahnen sind Entwicklungsachsen. Welche Impulse die A 39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg für unsere Region bewirken wird, zeigt schon jetzt das Beispiel A 250: Seit dem nördlichen Anschluss an das Fernstraßennetz im Jahr 1995 haben sich bis heute entlang der Lüneburger Ostumgehung, an der die Autobahn derzeit endet, über 150 Unternehmen mit rund 12.000 Beschäftigten angesiedelt.
Die Bedeutung der Autobahn für die Entwicklungsperspektive einer Region ist letztlich nichts Neues. Bereits 1964 hat die Technische Universität Braunschweig in ihrem Raumplanungsgutachten Südostniedersachsen die Anbindung an die Fernverkehrsnetze als wichtigste technische Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung des Raumes analysiert. Daraus entsprang der Vorschlag einer Autobahnlinie vom skandinavischen Wirtschaftsraum über Hamburg und Lübeck durch Südostniedersachsen bis an den nördlichen Rand des Harzes: die Nordland-Autobahn, die heute nahezu den Linien A 21 im Norden und A 39 im Süden entspricht. Dies fand so viel Zuspruch, dass im Jahr 1969 der Nordland-Autobahn-Verein geboren wurde, der sich bis heute erfolgreich für die Verkehrsachse engagiert.
Klar ist: 40 Jahre NAV ist eine lange Zeit. Eine zu lange Zeit! Die überlangen Planungsprozesse bei großen Infrastrukturvorhaben sind unverantwortlich. Mit dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens, der Linienbestimmung und den derzeit laufenden Entwurfsplanungen für das Planfeststellungsverfahren wurden aber gerade in den vergangenen drei Jahren wichtige Meilensteine geschaffen. Der Bau der A 39 ist deshalb jetzt in Sichtweite gerückt. Gefordert ist nun die Bundesregierung, ihr konsequentes Bekenntnis zur A 39 in Form einer festen Finanzierungszusage zu unterstreichen – damit die Wirtschaft und Bevölkerung in unserer Region endlich von einer modernen Verkehrsinfrastruktur profitieren können.
Michael Zeinert
Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg
Erschienen in 'Unserer Wirtschaft' Juni 2010