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EBERHARD MANZKE

Für eine neue Denkkultur

MANAGER-BONI Führungskräfte haben Leistungsprämien verdient – aber in angemessenerHöhe.

Im Durchschnitt 2,3 Millionen Euro bekommen die Dax-Vorstände für 2008 als Gesamtvergütung, wie die Zeitung ,Die Welt– vorkurzem veröffentlicht hat. Für ein Jahr, in dem rund ein Drittel dieser Unternehmen herbe Verluste einstrich. Ist das gerecht? Nein, möchte man reflexartig antworten. Wo zehntausende Beschäftigte kurzarbeiten oder gleich gehen müssen, sind vor allem Boni, Erfolgsprämien in Millionenhöhe, kaum zu vertreten. Dass Manager jetzt auf Teile und sogar ganze Gehälter verzichten ist dann richtig, wenn diesem Schritt eine neue Denkkultur folgt. Nicht noch einmal darf sich die Wirtschaft derartigen Exzessen hingeben.

Das Einkommen von Führungskräften steht auf zwei Säulen: dem vertraglich vereinbarten Grundgehalt und der erfolgsabhängigen Vergütung. Dieses Modell funktioniert, Anreizsysteme sind ein wichtiger Baustein unserer freiheitlichen Marktwirtschaft. Wir müssen die Systeme allerdings vernünftig gestalten.

Was meine ich damit?
Tatsächlich ist es nicht das Vergütungssystem an sich, das wir jetzt beklagen, sondern die unbändigen Auswüchse. Ein Bonus ist,wie der Name bereits sagt, ein zusätzlicher finanzieller Anreiz für Mitarbeiter in verantwortungsvollen Positionen. Deshalb sollte er eine Obergrenze haben und zwar bezogen auf das Jahresgehalt. Eine realistische Größe liegt bei 30 bis 50 Prozent des Brutto-Grundgehalts. Das zehn-, zwanzig- oder gar dreißigfache des Jahresgehalts als Bonus zu zahlen, führt das Vergütungssystem ad absurdum.

Die Anlagenverkäufer der jetzt mehr und mehr auf Staatshilfe angewiesenen Banken erhielten ihre Prämien für Einzelverkaufserfolge. Was zählte, war die Anzahl der Zertifikate, nicht der Gesamterfolg des Unternehmens. Und genau hier liegt der Fehler: Ein Unternehmen kann keine hohen Boni zahlen und gleichzeitig Verluste schreiben. Das passt nicht zusammen. Der Unternehmenserfolg bemisst sich nach der Summe der Leistung aller Mitarbeiter – aber eben auch in sehr starkem Maße nach der Leistung der relativ raren Führungskräfte. Sie richten das Unternehmen strategisch aus. Sind sie erfolgreich, sollten wir sie dafür angemessen bezahlen. Machen sie Fehler, müssen sie aber auch dafür geradestehen. Das ist eine der Lehren der allgemeinen Krise: Wir dürfen die, die fahrlässig handeln, nicht einfach laufen lassen. Das gilt allerdings nicht nur für die Manager, die die Boni erhalten. Auch die andere Vertragsseite, die Gesellschafter oder Aufsichtsräte, steht in der Verantwortung.

Das Gehalt ist der Preis der Ware Arbeit. Dieser bildet sich am Markt, ein Resultat aus Angebot und Nachfrage. Natürlich können wir über hohe Gehälter diskutieren. Aber warum nur über die der Manager? Was ist mit den astronomischen Einkommen der Sänger, der Fußballstars, der Topmodels? Wollen wir uns in der Tat anmaßen, über den individuellen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand all jener zu urteilen?

In der Wirtschaft haben wir eigene Gremien, die über ein angemessenes Maß entscheiden und Übertreibung vermeiden sollen. Es liegt in den Händen der Aufsichtsräte und natürlich der Unternehmer selbst, eine neue Kultur der Bonuszahlungen zu schaffen. Eine, die Verantwortung wertschätzt und vor Extremen bewahrt.

Eberhard Manzke
Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg

Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' Mai 2009

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