Die Europäische Kommission gibt grünes Licht für Rekordförderung der Leuphana Universität
Gratulation! Das ist das erste, das gesagt werden muss. Die Leuphana Universität hat es geschafft. Bis 2013 stehen insgesamt 98 Millionen Euro zur Verfügung – um einen neuen Weg zu gehen. Spitzenforschung, Regionalentwicklung und Internationalität stehen auf den Meilensteinen dieses Weges. Innovations-Inkubator heißt das Instrument, das dort Sprünge machen lässt, wo andere nur kleine Schritte wagen dürfen.
Gratulation nach Brüssel, hier hat man Mut bewiesen. Wer denkt schon an Lüneburg, wenn man von internationaler Spitzenforschung spricht. Gratulation nach Hannover, wo man Chancen erkannt hat. Wie häufig kommt es vor, dass in einem Konvergenzgebiet eine Universität nach oben schaut und nicht einfach nur sichere Standards formuliert. Gratulation an die Leuphana Universität für ihr Durchhaltevermögen. Wer hätte erwartet, dass ein Spannungsbogen so lange aufrechtgehalten werden könnte–
Wir sind eine Konvergenzregion, und das nicht grundlos. Bei positiver Betrachtung birgt dies die Chance, Finanzmittel aus Brüssel zu bekommen. Diese nutzen wir bereits, denn unsere Region muss zwei Schritte tun, wo andere mit einem auskommen. Bei nachdenklicher Betrachtung wird deutlich: Diese Mittel sind endlich. In unserem Fall ist 2013 Schluss. Danach muss das funktionieren, was wir jetzt aufbauen. Wir müssen unserer Zukunft jetzt eine Struktur geben, die wirtschaftlich nachhaltig wirkt.
Die Leuphana Universität mit ihrem Innovations-Inkubator könnte wesentliche Bausteine dieser Zukunft gestalten. Die Idee: Internationale Spitzenforschung mit regionaler Universität verbinden und von vornherein auf wirtschaftliche Umsetzbarkeit zielen. Verknüpft mit der Basis einer Universität, der Lehre – dem Ausbilden motivierter Studenten und dem lebenslangen Lernen erfahrener Menschen – ergibt sich der Kern des Konzepts der Leuphana. Ein Inkubator entsteht, ein Raum, in dem Innovationen keimen, um dann in ein eigenes wirtschaftliches Leben entlassen zu werden.
Ein interessantes Modell, das Wirtschaftsförderung mit einem künstlichen Kristallisationspunkt einer Universität verbindet. Mit dem Innovations-Inkubator erhält die Konvergenzregion Lüneburg die einmalige Chance zu zeigen, wie man erfahrenes Handeln mit internationaler Exzellenz verbindet. Der Prozess bis hierher war nicht einfach, wir müssen diese Chance jetzt nutzen!
Der Innovations-Inkubator ist ein europäisches Großprojekt, das mit seinen 98 Millionen Euro für eine Universität einmalig sein dürfte. Brüssel stellt rund 63,5 Millionen zur Verfügung, das Land Niedersachsen 22 Millionen und die Leuphana rechnet mit 12,5 Millionen Euro Einnahmen. Den Blick fest auf 2013 gerichtet heißt dies, es wird eine Herausforderung, den internationalen Forschungsansatz mit den Aspekten der regionalen Wirtschaftsförderung zu verbinden. Der Innovations-Inkubator sieht für die gemeinsame Forschungsarbeit auf internationaler und regionaler Ebene so genannte Kompetenztandems vor. Wer schon einmal Tandem gefahren ist, weiß, nur gemeinsam kann man Fahrt aufnehmen. Exzellenz in Theorie und Praxis müssen zusammenfinden. Ohne frühzeitige Einbindung der Wirtschaft aus der Region kann das nicht gelingen.
Die IHK und die Leuphana Universität werden darum hier gemeinsam ansetzen. Der Wunsch der Universität ist es, mit der regionalen Wirtschaft Projekte zu identifizieren, die im Innovations-Inkubator realisiert werden können. Am 8. September gibt es die erste Gelegenheit dazu: Die IHK lädt zu einer Informationsveranstaltung ein, um die Ausgestaltung sowie die Ansätze und Ziele des Innovations-Inkubators vorzustellen.
Jens-Peter Clarfeld
Vizepräsident der IHK Lüneburg-Wolfsbrug
Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' September 2009