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Jeweils zu Jahresbeginn fragen die IHKs bundesweit im Zusammenhang mit ihren vierteljährlichen Konjunkturbefragungen auch nach der gefühlten Finanzierungssituation der Unternehmer. Seit Januar 2009 hat unsere IHK in jedem Quartal hierzu Fragen gestellt. Bis zum Sommer hat sich die Situation im IHK-Bezirk günstiger entwickelt als auf Bundesebene. Seit dem Herbst ist das Gegenteil der Fall: Der Anteil der Betriebe, die bessere Kreditkonditionen als im Vorjahr meldeten, ist von bislang über zehn Prozent auf sieben Prozent gerutscht. Verzeichnete im ersten Halbjahr nicht einmal jeder fünfte Unternehmer Verschlechterungen der Konditionen, so ist jetzt bereits jeder vierte betroffen. Der Anteil der Unternehmen mit Kreditablehnungen hat sich von 1,6 Prozent im Januar auf vier Prozent im Oktober mehr als verdoppelt.
Die regionalen Banken geben angesichts dieser Zahlen eher entwarnende Signale. Zinserhöhungen und die Nachforderung von Sicherheiten werden keinesfalls abgestritten, aber klar an der Risikoentwicklung der betroffenen Unternehmen festgemacht. Statt Kreditengpässen meldeten nicht wenige Banken und Sparkassen zumindest in der ersten Jahreshälfte einen Anstieg des Kreditvolumens im Vergleich zum Vorjahr. Eine Kreditklemme zeichne sich in keiner Form ab, ist die fast durchgängige Wertung der regionalen Bankvorstände.
Was wie ein Widerspruch aussieht, sind am Ende wohl zwei Seiten der Realität: Die Banken – gebunden an die Vorgaben von Basel II und der Bankenaufsicht – passen ihre Konditionen an die veränderten Risiken dervon der Finanzmarktkrise gebeutelten Branchen an. Waren bislang eher die großen Betriebe betroffen, so ist die angespannte Finanzierungssituation im Herbst bundesweit auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen angekommen. Sie prägen die Wirtschaftsstruktur unseres IHK-Bezirks. Deshalb der rapide Wechsel von unterdurchschnittlicher zu überdurchschnittlicher Betroffenheit der regionalen Unternehmen. Die offenbar gute Liquidität und Risikoposition der Mehrzahl der Sparkassen und Banken in der Region ist dabei ermutigend und im Bundesvergleich keinesfalls selbstverständlich.
Um unserer Region einen guten Start aus der Krise zu ermöglichen und die Folgen für den Arbeitsmarkt so gering wie möglich zu halten, kommt es dennoch stark auf die Banken an:
– Sie müssen ihre Risikoeinschätzung von den krisenbedingt verschlechterten Geschäftszahlen der jüngeren Vergangenheit so weit wie möglich entkoppeln und die durch die Auftragsentwicklung untermauerten Zukunftschancen vieler Betriebe in den Fokus nehmen. Und sie müssen eine möglichst große Bereitschaft aufweisen, kalkulierte Risiken in der Finanzierung einzugehen, um die regionale Wirtschaft schnell wieder auf Trab zu bringen.
– Auch als Lotse in der Krisenunterstützung sind die Banken unverzichtbar: Sie erkennen entstehende Schieflagen der Unternehmen häufig sehr früh. Die rasche Organisation von Hilfe kann Insolvenzen vermeiden und Arbeitsplätze retten. Banken können auf das breite Spektrum der Hilfsmöglichkeiten unserer IHK verweisen. Es reicht von unentgeltlichen Situationsanalysen durch versierte Berater über anschließende Turnaround-Beratungen, die die KfW bis zu 75 Prozent bezuschusst, bis hin zur Organisation öffentlicher Förderhilfen (Bürgschaften, Betriebsmitteldarlehen), um Engpässe zu überbrücken.
Die Banken in unserer Region sollten nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich Kreditkonditionen in der Krise verschärfen. Dieser Zusammenhang ist nicht neu und letztlich auch Ausdruck eines gesunden Risikobewusstseins der Geldhäuser. Aber die Banken tragen durchaus Mitverantwortung dafür, wie die regionale Wirtschaft die kommenden schwierigen Monate meistern kann. Und sie sollten dabei einen engen Schulterschluss zu unserer IHK suchen.
Sönke Feldhusen
Leiter des Bereichs Starthilfe und Unternehmensförderung
Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' Dezember 2009
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