AUSBILDUNGSPAKT Qualifizierte Fachkräfte sind das Fundament des wirtschaftlichen Aufschwungs der vergangenen Jahre.
Der Ausbildungspakt steht 2009 vor einer Bewährungsprobe. Die Finanz- und Absatzkrise wird auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorübergehen. Doch es gibt positive Signale.
So hat die IHK bis Ende Februar schon über 300 neue Ausbildungsplätze eingeworben. Letztes Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt rund 200. Ein strategisches Ziel steht für die Betriebe damit im Vordergrund: Jetzt ausbilden, damit die notwendigen Fachkräfte vorhanden sind, wenn es wieder besser läuft. Für viele der Unternehmen ist dies im Augenblick wichtiger als die aktuellen Geschäftsaussichten für dieses Jahr. Sie bekennen sich zur dualen Berufsausbildung auch in Zeiten der Krise.
2008 registrierte unsere IHK 4.477 neu abgeschlossene Verträge. Damit schlossen 647 Jugendliche mehr einen Ausbildungsvertrag im Bereich Industrie, Dienstleistung und Handel ab als in 2003 – dem letzten Jahr vor dem Ausbildungspakt. Gegenüber 1996 konnte die Ausbildungsleistung in unserer Region sogar um mehr als 55 Prozent gesteigert werden. Das ist eine sagenhafte Leistung, für die den Unternehmen zu danken ist.
Dieser Trend wird sich allerdings angesichts des demografischen Wandels nicht fortsetzen. Denn für die Betriebe wird es schwieriger, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. 2009 werden deutschlandweit 37.000 Jugendliche weniger die Schule verlassen als noch 2008 – ein Minus von vier Prozent. Folglich werden im Jahr 2009 deutlich weniger Jugendliche dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Das bedeutet im Zweifel auch, dass in diesem Jahr weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können als im Vorjahr.
Umso wichtiger wird es, die Sicherung hoch qualifizierten Nachwuchses als strategische Herausforderung zu verstehen. Das notwendige Ringen um die besten Bewerber trotz konjunkturell schwieriger Lage gibt einen zaghaften Vorgeschmack auf den Konkurrenzkampf, der bei anspringender Konjunktur nicht lange auf sich warten lassen wird. Ihr Engagement in Ausbildung hier und heute ist so gesehen eine profitable Investition in die Zukunftsfähigkeit Ihres Betriebs. Und zugleich ist es die beste Antwort auf die in Deutschland um sich greifende Auffassung, allein der Staat könne in schwierigen Zeiten helfen.
Packen Sie mit an. Optimismus ist nach dem englischen Philosophen Karl Popper Pflicht. Ausbildung auch.
Volker Linde
Leiter des Bereichs Aus- und Weiterbildung
Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' März 2009