ENERGIEEINSATZ 60 Prozent der Unternehmen verbrauchen mehr als nötig.
Hohe Energiekosten, die starke Importabhängigkeit Deutschlands bei Öl und Gas und die negativen Folgen der Klimaveränderung schmieden eine seltene Koalition. Unternehmer, Politiker und Umweltschützer sind sich einig, dass der Energieeinsatz in Betrieben aber auch in Privathaushalten so effizient wie möglich erfolgen muss.
Man könnte meinen, dass kostenbewusste Unternehmer längst abgewogen hätten, welche Energieeinsparungen mit effizienzsteigernden Maßnahmen und Investitionen verbunden sind – und die erforderlichen Konsequenzen gezogen hätten. Doch selbstverständlich ist das nicht. Zwar haben viele Unternehmen reagiert, insbesondere Industriebetriebe mit energieintensiver Produktion. Sie auf das Thema Energieeffizienz anzusprechen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Doch Studien zufolge haben erst 40 Prozent der Unternehmen insgesamt gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz durchgeführt. Die, die es getan haben konnten so Einsparungen in einer Größenordnung von 5 bis 20 Prozent realisieren.
Deutsche Unternehmen zahlen die in der EU dritthöchsten Strompreise. Die Steigerung der Energieeffizienz ist für sie daher ein besonders wirksames Instrument zur Kostensenkung. Gleichzeitig verringert sie die Abhängigkeit von Energieimporten aus Förderländern in Krisenregionen und leistet durch die Reduktion von Kohlendioxydemissionen einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Da ist es kein Wunder, dass die Bundesregierung im Rahmen ihrer Energiepolitik Förderprogrammen zur Steigerung der Energieeffizienz einen hohen Stellenwert beimisst. Ein wichtiger Baustein ist die mit der IHK-Organisation eingegangene –Partnerschaft für Klimaschutz, Energieeffizienz und Innovation–.
Durch diese Partnerschaft sollen insbesondere in mittelständischen Unternehmen die noch nicht ausgeschöpften Potenziale für Klimaschutz und Energieeffizienz erschlossen werden. Eine große Rolle kommt dabei dem Einsatz innovativer Technologien in der betrieblichen Praxis zu. So sollen die ambitionierten Klimaschutzziele auf wirtschaftsverträgliche Weise erreicht werden.
Auch die IHK Lüneburg-Wolfsburg beteiligt sich aktiv an dieser Partnerschaft. Neben Informationsangeboten in schriftlicher und elektronischer Form berät ein Experte der IHK vor Ort in den Betrieben. Er stellt anhand des individuellen Bedarfs bestehende Hilfs- und Förderangebote vor. So bietet z. B. die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergünstigte Investitionskredite an, die eine schnelle Amortisation notwendiger Investitionen möglich machen. Unser Beratungsangebot ergänzen wir durch Vortragsveranstaltungen zu Spezialthemen, z. B. zur Kraft-Wärme-Kopplung und zum Energiemanagement.
Angesichts der Wirtschaftskrise und damit einhergehender Absatzeinbrüche brennt vielen Unternehmern zurzeit eine andere Frage stärker auf den Nägeln. Wie steuere ich meinen Betrieb durch das Konjunkturtal? Aber auch die Senkung des Energieverbrauchs durch Steigerung der Energieeffizienz duldet keinen Aufschub.
Roland Schulz
stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg und umweltpolitischer Sprecher des NIHK
Erschienen in 'Unserer Wirtschaft' Juli/August 2009