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EBERHARD MANZKE

2009 nicht schlechtreden!

Das vierte Quartal 2008 lieferte der seit Jahren Aufschwung-verwöhnten deutschen Wirtschaft einen kräftigen Schuss vor den Bug. Die von Amerika ausgehende weltweite Finanzmarktkrise, die man schon länger als ein Jahr teils mit Interesse, teils mit Verwunderung beobachtet hatte, war schlagartig auch in der heimischen Realwirtschaft angekommen.

Kaum mehr gekannte Schlagzeilen wie –Kurzarbeit–, –Betriebsstilllegung– und –Insolvenz– erschienen urplötzlich wieder in der Zeitungslandschaft. In der Medienresonanz wurden sie nur noch von den zahllosen Vorschlägen übertroffen, wie wohl staatlicherseits der Konjunkturmotor wieder angeschoben werden könnte. Die zum Teil sogar von Wirtschaftsexperten empfohlenen Konsumgutscheine als mildtätige Gabe des Fiskus dürften nicht wenige Bürger dazu bewogen haben, mit dem Weihnachtseinkauf erst noch abzuwarten und avancierten daher zu meinem persönlichen Unwort des Jahres.

Auch Unternehmerschelte hat wieder Konjunktur. Dabei wird allerdings verkannt, dass manche vermeintliche –Fehlentwicklung– auf Marktkräfte und nicht auf Versäumnisse des Managements zurückgeht. So erfolgte zum Beispiel der Produktionsstopp des verbrauchsarmen –LUPO–, weil dieses Fahrzeug schlicht nicht nachgefragt wurde.

Der gemeinsame Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Per Steinbrück Anfang Oktober war richtig und wichtig, um das Vertrauen in die Finanzwelt zu stabilisieren. Die staatliche Garantie, dass die Einlagen der Bürger und Unternehmen sicher sind, hat zum entscheidenden Zeitpunkt Schlimmeres verhindert.

Als Mitte Dezember das renommierte Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für 2009 eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um zwei Prozent und damit die größte Wirtschaftskrise seit 1949 vorhersagte, leistete die Prognose in dieser Form zugleich einen aktiven Beitrag, dass sie auch in Erfüllung gehen kann.

Die positiven Signale, die zwar kaum jemand bestreitet, aber über die ebenso wenige sprechen, verdienen größere Beachtung. Der Ölpreis - lange Zeit als der Kostentreiber für die industrielle Produktion in Deutschland verdammt - ist auf ein Drittel seines Stands vom Sommergefallen und wirkt damit besser als jedes staatliche Konjunkturprogramm. Die Preissteigerung ist im gleichen Zuge auf 0,9 Prozent zurückgegangen, was insbesondere dem privaten Konsum und damit dem Handel zugute kommt. Und der über Jahre als Exportbremse empfundene Euro-Kurs ist gegenüber dem Dollar signifikant gesunken und stärkt so die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte. Und Anfang Dezember gab die Europäische Zentralbank mit der Senkung der Leitzinsen um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent noch einen weiteren positivstimmenden Impuls. Eine Unternehmensbefragung, die unsere IHK im November durchgeführt hat (vgl. Unsere Wirtschaft, 12/2008), offenbarte, dass die Stimmung in den Unternehmen häufig besser ist, als es die düsteren Konjunktur-Prognosen erscheinen lassen.

Wir haben die Wahl: Mit unserem Reden und Handeln können wir uns zum Teil einer Abwärtsspirale machen, um am Ende in falscher Zufriedenheit festzustellen, dass wir Recht behalten haben. Meinem Unternehmerbild entspricht dies nicht. Mein Glas ist halb voll, aber niemals halb leer.

Mein Appell an Sie als Unternehmer unserer Region: Wenn Sie ein neues Auto brauchen, kaufen Sie es. Wenn Ihre Produktionskapazitäten modernisierungsbedürftig sind, gehen Sie es an. Schieben Sie Anschaffungen und Investitionen nicht aus falscher Sorge auf die lange Bank.

Wir Unternehmer sind von der Konjunktur abhängig, aber es liegt auch an uns, sie durch unsere Entscheidungen zu stärken und zu beleben.

Eberhard Manzke
Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg

Erschienen in 'Unsere Wirtschaft' Januar 2009

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