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2010: ZUKUNFTSPLÄNE

Bad Bevenser Erklärung

Gemeinsame Erklärung des MORO-Nord Teilprojektes 11: 'Positionen beziehen - Ländliche Räume in der überregionalen Partnerschaft'

Die Kooperationspartner

Im MORO-Nord-Modellvorhaben der Raumordnung 'Überregionale Partnerschaften' arbeiten die Metropolregion Hamburg (Freie und Hansestadt Hamburg sowie die sechs schleswig-holsteinischen Kreise Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und die acht niedersächsischen Landkreise Cuxhaven, Stade, Soltau-Fallingbostel, Rotenburg (Wümme), Harburg, Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg), die Region Lübeck und die kreisfreien schleswigholsteinischen Städte Flensburg, Kiel, Neumünster und die Hansestadt Lübeck, sowie die Planungsregion Westmecklenburg mit den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Ludwigslust, Parchim und den kreisfreien Städten Schwerin und Hansestadt Wismar und die Planungsregion Mittleres Mecklenburg/Rostock mit den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow sowie der kreisfreien Hansestadt Rostock - als Teilräume in Mecklenburg-Vorpommern - zusammen.

Das Selbstverständnis der Kooperationspartner

Die Zusammenarbeit in der Metropolregion Hamburg (MRH) und darüber hinaus in ganz Norddeutschland hat eine langjährige und erfolgreiche Tradition. Mit dem Kooperationsvorhaben wird angestrebt, Möglichkeiten der weiteren partnerschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion Hamburg und mit ihren Nachbarregionen zu zeigen und zu erproben. Um der Größe und Vielfalt der Partnerschaft mit all ihren Teilräumen gerecht zu werden, ist diese als flexibles Netzwerk ausgestaltet. Die Zusammenarbeit kann je nach Bedarf auch punktuell und mit beschränktem Teilnehmerkreis erfolgen. Die Kooperationspartner verstehen sich als eine Gemeinschaft, in die jeder Partner seine Potenziale und Stärken einbringt und in der Verknüpfungen ausgebaut bzw. gestärkt werden.

Warum eine politische Erklärung?

Bisher hat es weder in der Metropolregion Hamburg, noch in Norddeutschland insgesamt eine Definition zur Bedeutung und Rolle der ländlichen Räume sowie zu deren Verhältnis zur Metropole  Hamburg gegeben. Im erweiterten norddeutschen Kooperationsraum MORO, der zu einem noch größeren Anteil aus ländlich geprägten Räumen besteht, gewinnt diese Positionsbestimmung zusätzlich an Bedeutung. Neben Hamburg als metropolitanem Kern und Wachstumszentrum des norddeutschen Kooperationsraumes gibt es weitere städtische und ländliche Räume mit eigenen Wertigkeiten und wirtschaftlichen Stärken. Zwischen ihnen bestehen vielfältige Beziehungen und wechselseitige Abhängigkeiten. Sowohl die städtischen als auch die ländlichen Räume sind in sich sehr heterogen strukturiert. Bislang erfolgte eine Betrachtung der ländlichen Räume oft in ihrer Funktion als Ergänzung zur Metropole. Weniger im Fokus stand eine eigenständige Profilierung mit Potentialen und Stärken, die die ländlichen Räume aus sich heraus aufweisen. Die ländlichen Räume sind sich ihrer Stärken und Potenziale bewusst und wollen diese aktiv in die Entwicklung der Gesamtregion einbringen. Das Erkennen der eigenen Stärken ist notwendig, um Handlungsschwerpunkte setzen, erfolgreiche Kooperationen entwickeln und Potentiale selbstbewusst nach außen vertreten zu können. Daher sollte eine Entwicklungsstrategie zur eigenständigen Profilierung und Hervorhebung eben dieser Stärken den Prozess begleiten. Die ländlichen Räume und die Metropole wollen gemeinsam durch eine partnerschaftliche Kooperation zu verbesserten regionalen Lebensbedingungen, wirtschaftlichem Wachstum und einer nachhaltigen Entwicklung in Norddeutschland beitragen. Dies ist der Grund, warum sich die Partner im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft auf diese Erklärung verständigt haben.

Sie erklären deshalb:

Allgemeine Grundsätze

Wir, die Vertreter der städtischen und der ländlichen Räume der Metropolregion Hamburg und der angrenzenden Landesteile von Schleswig-Holstein und von Mecklenburg-Vorpommern arbeiten über alle politischen Ebenen in einer partnerschaftlichen Verantwortungsgemeinschaft zusammen. Die nachfolgend benannten Handlungsfelder bilden den Rahmen für unsere Zusammenarbeit. Kooperationen sind ein geeigneter Weg, gemeinsame zielgerichtete Problemlösungen zu erarbeiten und umzusetzen. In Zusammenarbeit kann eine „kritische Masse“ überwunden werden, um in gemeinsamen Aktivitäten oder Projekten anspruchsvollen Herausforderungen begegnen zu können, die von den Ressourcen einer Gebietskörperschaft alleine oft nicht mehr bewältigt werden können. Der Erfolg regionaler Kooperationen hängt von der Kultur der Zusammenarbeit und des Miteinanders ab. Die Interessen der ländlichen Regionen müssen gebündelt werden, um gemeinsam mit den Zentren für alle Partner vorteilhafte Kooperationsvorhaben zu gestalten. Ziel und Maßstab unseres gemeinsamen Handelns sind eine erfolgreiche Entwicklung der gesamten Region sowie gleichwertige Lebensverhältnisse und Zukunftschancen in allen Teilräumen unserer Region. Wir folgen dabei dem Leitbild einer nachhaltigen Regionalentwicklung und behandeln Soziales, Wirtschaft, Umwelt und Kultur gleichrangig. Die ländlichen Räume sind ein wichtiger unverzichtbarer Bestandteil unserer Region. Städtische und ländliche Räume stellen im Grundsatz keine Gegensätze dar, sondern bilden mit ihren jeweiligen Ausprägungen und Fähigkeiten eine funktionale Einheit. Die Möglichkeiten moderner Mobilität und Kommunikation haben die Unterschiede zwischen Stadt und Land vielfach verändert, so dass sich neue Formen der Kooperation entwickeln. Die Metropole Hamburg ist der Wachstumsmotor für Norddeutschland. Im nationalen sowie internationalen Wettbewerb ist sie zugleich Markt und Schaufenster für die Region. Die Stärken und Chancen unserer Teilräume mehren und nutzen wir gemeinsam. Auch ihre Schwächen und Risiken mindern und tragen wir gemeinsam.

Ausgewählte Handlungsfelder

In den städtischen und ländlichen Räumen gibt es sowohl gleiche als auch unterschiedliche Interessen. Wir stimmen sie in gemeinsamen Handlungsfeldern untereinander ab und gleichen sie erforderlichenfalls durch eine 'Strategie der Balance' im Sinne eines Gebens und Nehmens aus.

Demographischer Wandel

Wir sehen die Chancen, aber auch die Risiken in der Bevölkerungsentwicklung unserer Region. Zuwanderung und dem steigenden Anteil älterer Menschen stehen ein sinkender Anteil junger Menschen und deren Abwanderung aus den ländlichen Räumen gegenüber. Wir werden solidarisch auf eine langfristig ausgewogene Verteilung und Altersstruktur unserer Bevölkerung, ganz besonders in den entlegeneren ländlichen Räumen, hinarbeiten. Damit verfolgen wir neben einer kurzfristigen Anpassungsstrategie ausdrücklich auch eine langfristige Präventionsstrategie.

Klimawandel und Energie

Wir werden die Entwicklung unserer Region wie auch in ihren Teilräumen noch umweltverträglicher gestalten. Besonders beim Klimaschutz und der Anpassung an den zu erwartenden Klimawandel gibt es noch umfangreiche Risiken und Handlungsbedarfe, denen es gemeinsam zu begegnen gilt. Energiegewinnungs- und Versorgungssysteme in unserer Region werden wir auf ihre Klimaverträglichkeit überprüfen und nötigenfalls innovativ neu gestalten. Dabei kommt den ländlichen Räumen bei der verstärkten Erzeugung erneuerbarer Energien eine wachsende Bedeutung zu. Sie besitzen große Stärken und Chancen, im Hinblick auf eine sichere und nachhaltige CO2-arme Wirtschafts- und Lebensweise in der Region Wachstum zu bewirken und Arbeitsplätze zu schaffen.

Bildung und Kultur

Wir wollen den Zugang zu Wissen und Bildung in der Region stetig verbessern, die Angebote intensivieren und optimal vernetzen. So sollen Schulen und Hochschulen verstärkt als Impulsgeber für nachhaltige Regionalentwicklung fungieren. Die kreativen Fähigkeiten der ländlichen und der städtischen Bevölkerung verstehen wir als Voraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse, für Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, für die soziale und kulturelle Daseinsvorsorge und für die dauerhafte Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Dieses Potential zur Bewältigung gegenwärtiger und künftiger Herausforderungen wollen wir fördern und verstärkt nutzen. Dabei messen wir einer Bildung für nachhaltige Entwicklung große Bedeutung bei.

Wirtschaft

Unsere Region begreifen wir als einen Wirtschaftsraum und Arbeitsmarkt. Durch eine intensivere Zusammenarbeit und Integration wollen wir deren Potentiale - auch international - besser entwickeln und vermarkten. Die Vielfalt von Strukturen, Kompetenzen und Potentialen in der Region sowie zwischen Stadt und Land sehen wir als Chance für Wachstum und Innovation, die es durch kooperative Strategien zu nutzen gilt. Die mit der Internationalisierungsstrategie der Metropolregion Hamburg verfolgte Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist eine zentrale gemeinsame Strategie. Dies werden wir konsequent weiter umsetzen. Sie soll durch eine Regionalisierungsstrategie ergänzt werden, in der wir die lokalen Ökonomien in unseren Städten und Dörfern durch eine Verknüpfung zu regionalen Wirtschaftskreisläufen stärken.

Verkehr

Die Erreichbarkeit unserer Region wollen wir durch den Ausbau und die Optimierung überregionaler Verkehrswege weiter verbessern. Wir wollen die Verkehrssituation zwischen städtischen und ländlichen Räumen unserer Region für die privaten wie öffentlichen Personen- und Güterverkehre im Sinne einer guten Vernetzung und wechselseitigen Erreichbarkeit stetig verbessern. Arbeiten in den Städten und Wohnen auf dem Land darf auch verkehrlich keinen Widerspruch bedeuten. Dabei werden wir darauf hinwirken, dass allgemeine Straßenverkehrsaufkommen durch Verlagerungen und Verbünde zwischen den Verkehrssystemen nicht weiter zu steigern.

Tourismus

Der norddeutsche Raum ist eine attraktive Urlaubsregion. Wir werden die Attraktivität unserer Städte sowie die Erlebbarkeit der kulturlandschaftlichen Vielfalt unserer Region sowohl für die naturnahe Erholung als auch für den Städtetourismus zielstrebig weiter stärken und nutzen – zum Wohle der einheimischen Bevölkerung und unserer Gäste aus der ganzen Welt. Stadt und Land können hier eine sich gegenseitig fördernde Symbiose eingehen und eine gemeinsame Identität und Vermarktung entwickeln, ohne ihre eigene Identität aufzugeben. Unser touristisches Marketing – nach innen wie nach außen – stellt die Stärken und Chancen aller Räume heraus.

Gesundheit

Die sich durch den demographischen Wandel ergebenden veränderten Altersstrukturen in unserer Bevölkerung bringen auch veränderte Anforderungen an die gesundheitliche Versorgung mit sich. Gleichzeitig stellt die Gewährleistung der ambulanten ärztlichen Versorgung in den ländlichen Räumen eine zunehmende Herausforderung dar. Wir werden in Kooperationen mit den Zentren z.B. durch die Nutzung vernetzter Gesundheitstechnologien die Versorgung in den ländlichen Räumen sicherstellen. Aber auch der Gesundheitstourismus stellt ein weiteres zu entwickelndes Potential dar. Das Strategiepapier zur Ermittlung von Entwicklungspotenzialen in Norddeutschland hat als eines seiner Ergebnis gezeigt, dass in den Handlungsfeldern Energie / Klimawandel, Tourismus und Gesundheit die besten Chancen für erfolgreiche Kooperationen zwischen den Partnern gesehen werden. Wir werden deshalb diese Handlungsfelder in den besonderen Fokus unserer weiteren Zusammenarbeit, stellen.

Wie geht es weiter?

Wir wollen die begonnene Kooperation fortsetzen. Denn nach dem Auslaufen des Bundesraumordnungsprojektes MORO Nord fehlt vor allem den von Hamburg peripher gelegenen ländlichen Regionen eine Plattform auf der Kooperationsvorhaben, mit der Metropolregion Hamburg entwickelt und initiiert werden können. Alle sind aufgefordert, den Prozess zu begleiten und sich einzubringen. Die Regierungsvertretung Lüneburg wird eine im Organisatorischen liegende Bearbeitung sicherstellen. Diese nimmt auch gerne weitere Anregungen entgegen. Die weiteren Arbeitsstrukturen der Zusammenarbeit werden festgelegt, sobald die Einzelheiten über die weitere Fortführung des Prozesses des MORO-Nord Modellvorhabens entschieden sind. Unabhängig davon begrüßen wir es, wenn konkrete Einzelprojekte schon jetzt begonnen werden können.

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