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UNTERNEHMERGEIST WECKEN, GRÜNDERKLIMA SCHAFFEN

Unternehmensgründung und -nachfolge

Wie es ist

  • Deutschland droht Unternehmermangel: Neue Geschäftsideen schaffen neues Wissen und fördern Wachstum und Beschäftigung. Das rohstoffarme Deutschland ist besonders auf Unternehmertum und Innovationsgeist angewiesen. Doch demografiebedingt wird die Zahl der Selbstständigen von derzeit rund 3,5 Mio. bis zum Jahr 2050 um mehr als eine halbe Million sinken. Der demografische Wandel erschwert auch die Unternehmensnachfolge: Das Angebot an Unternehmen wird steigen, gleichzeitig werden unternehmerische Vorbilder knapper. 
  • Zu wenig Pioniergeist, unterschätzte Anforderungen: Zwar beobachten die IHKs ein steigendes Interesse an Gründungen und dem Einstieg als Nachfolger. Hauptmotivation ist allerdings eine ansonsten drohende Erwerbslosigkeit und weniger der unternehmerische Antrieb. Mehr als die Hälfte der Gründer können Kunden und Finanzgeber nicht von den Vorzügen ihrer Idee überzeugen. Das sind schlechte Voraussetzungen, um am Markt zu bestehen. Damit fehlen auch für viele Betriebe, die zur Nachfolge anstehen, qualifizierte Unternehmerinnen und Unternehmer. 
  • Wenig Gründungen mit hohem Innovationspotenzial: Nur etwa sechs Prozent der 300.000 von den IHKs beratenen Gründer wollen in einer Hightech-Branche starten. Etliche Gründer haben Finanzierungsprobleme – insbesondere Hightech-Start-ups, deren Projekte oft durch lange Vorlaufzeiten, hohen Erklärungsbedarf und schwierige Marktprognosen gekennzeichnet sind.
  • Kultur der Selbstständigkeit schwach ausgeprägt: Im Bildungssystem ist das Thema „Selbstständigkeit“ kaum anzutreffen. Jugendliche nehmen sie als Berufsperspektive zu wenig wahr. Zudem verzögert Bürokratie z.B. bei Gewerbeanmeldungen oder Genehmigungsverfahren häufig den Start. 

Was zu tun ist

Gründungspolitik muss Pioniergeist fördern. Dazu gehört neben verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Gewerbefreiheit auch eine Kultur der Selbstständigkeit. Die Bundesregierung sollte ihre Gründerkampagne fortführen. Beim Kampagnenschwerpunkt „Unternehmerische Selbstständigkeit als Bestandteil schulischer Ausbildung“ sollten die Bundesländer stärker eingebunden werden.

Folgende Leitlinien müssen das wirtschaftspolitische Handeln bestimmen:

  • Mit Bildung Fundament für nachhaltiges Gründerklima schaffen: Das Thema „Selbstständigkeit“ gehört bundesweit in die Lehrprogramme – von der Schule bis zur Universität. Know-how und Begeisterung verbessern Gründungschancen, sichern Fachkräftenachwuchs, sind Basis für Gründungen mit hohem Innovationspotenzial und unabdingbar für Unternehmensnachfolgen. Das Bildungssystem sollte der Jugend die Option „Selbstständigkeit“ vermitteln. Hochschulen sollten Ausgründungen auch mit Partnern aus der Wirtschaft systematisch begleiten.
  • Mehr Kultur der Selbstständigkeit in Wirtschaftspolitik und Verwaltungshandeln: Bei Arbeit, Steuern und Sozialversicherungen gilt es, gründungsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Substanzbesteuernde Elemente etwa bei Mieten, Zinsen und Leasing-Raten sind ebenso zu beseitigen wie die Begrenzung des Verlustvortrages. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf z.B. durch flexiblere Kinderbetreuungsangebote würde mehr Eltern den Weg in die Selbstständigkeit ermöglichen. In Verwaltungen müssen Unternehmen kompetente Ansprechpartner finden. Schulen, Hochschulen, Medien und auch Unternehmer müssen stärker zur Selbstständigkeit ermuntern.
  • Bürokratie für Gründer und junge Unternehmen abbauen: Der Staat sollte stärker auf Chancen von Gründungen vertrauen und Startups mehr Freiräume lassen. Regulierungen dürfen neue Ideen nicht ausbremsen. Das komplizierte Steuer-Pflichtformular „Einnahmen-Überschussrechnung“ ist abzuschaffen. Existenzgründern sollte eine vierteljährliche – statt monatliche – Umsatzsteuervoranmeldung erlaubt werden, wie allen anderen Unternehmen auch.
  • Gründungen beschleunigen: Genehmigungsverfahren sind zu straffen und wo geeignet durch schnellere Anzeigeverfahren zu ersetzen – ggf. online. Die IHKs, erste Ansprechpartner für Gründer, sollten Gewerbeanzeigen rechtsgültig bearbeiten dürfen. Mit Service aus einer Hand – von Erstauskunft über Businessplan-Check bis zur Gewerbeanzeige – wollen die IHKs den Start erleichtern.
  • Selbstständigkeit zielgerichtet finanzieren: Um mehr Transparenz im Förderdickicht zu schaffen, bedarf es weniger Förderprogramme – und diese mit klaren Strukturen. Die Qualität der Geschäftsidee muss Hauptkriterium einer Förderentscheidung sein – auch bei Gründungen durch Arbeitslose. Für innovative Gründungen und Nachfolgen muss der Markt für privates Beteiligungskapital belebt werden, z.B. durch bessere steuerliche Verlustverrechnungsmöglichkeiten.

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