Bis 2020 will Großbritannien seine rund 20.000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Neben Nordrhein-Westfalen trifft dies insbesondere Niedersachsen mit den Standorten Bad Fallingbostel, Bergen, Celle und Hameln. Für diese Standorte wird der Abzug schwerwiegende Auswirkungen haben.
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Standorte im Fokus
Um die konkreten Auswirkungen eines möglichen Truppenabzuges auf die regionale Wirtschaft in den Bezirken der IHK Lüneburg-Wolfsburg und der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade quantifizieren zu können, haben die Kammern gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide eine schriftliche Befragung bei Mitgliedsbetrieben an den Standorten Bad Fallingbostel, Bergen und Celle durchgeführt. Im Untersuchungszeitraum von April bis Mai 2011 wurden rund 2.500 Betriebe aus den Bereichen Handel, Nahrungsmittelhandwerk, Dienstleistungen, Immobilienwirtschaft, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Baubranche beteiligt.
421 Betriebe antworteten auf die Befragung durch die Kammern. Die Rückmeldequote liegt damit bei 18 Prozent. 239 der 421 Betriebe haben ihren Unternehmenssitz in Celle. Dies entspricht einem Anteil von 60 Prozent. Hälftig teilen sich die Standorte Bad Fallingbostel und Bergen die verbliebenen 40 Prozent (insgesamt rund 180 Betriebe).
Die Abbildung zeigt, dass insgesamt 45 Prozent aller Betriebe, die auf die Befragung geantwortet haben, negative Auswirkungen durch den Truppenabzug befürchtet. Diese zusammen 189 Unternehmen vertreten rund 11.000 Arbeits- und 800 Ausbildungsplätze in der Region. Die Betroffenheit in den einzelnen Branchen bewegt sich durchgehend auf hohem Niveau. An der Spitze liegt der Bereich Tourismus und Gastronomie, wo zwei Drittel der Unternehmen negative Auswirkungen erwarten. Besonders betroffen sind auch Betriebe aus den Bereichen Handel und Nahrungsmittelhandwerk (54 Prozent) sowie Bau und Ausbau/ Immobilien (49 Prozent).
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Anteil Betroffene in Branchen
Bergen: 3 von 4 Unternehmen betroffen
Am Standort Bergen ist die Betroffenheit der Betriebe besonders signifikant. Drei von vier der aus Bergen stammenden Betriebe, die auf die Befragung geantwortet haben, befürchten negative Auswirkungen durch den Truppenabzug. In Bad Fallingbostel erwarten 48 Prozent und in Celle immerhin noch 31 Prozent der Unternehmen negative Effekte.
Mehr als zwei Drittel der Befragten durch Truppenabzug aus Bergen betroffen
Von den insgesamt 189 Betrieben, die negative Effekte befürchten, erwarten 71 Prozent Auswirkungen durch die Schließung des Standortes Bergen, 56 Prozent durch die Schließung des Standortes Celle und 45 Prozent durch die Standortauflösung in Bad Fallingbostel. Durch die Möglichkeit einer Mehrfachnennung nimmt die Befragung auf eine potentielle Betroffenheit durch die Schließung unterschiedlicher Standorte Rücksicht.
Wie aus folgender Abbildung zu erkennen, gehen 56 Prozent der betroffenen Unternehmen davon aus, dass sich ihr Umsatz um bis zu 15 Prozent verringern wird. Rund 28 Prozent der Betroffenen gehen von Umsatzrückgängen bis zu 30 Prozent aus. Elf Prozent der Befragten erwarten Rückgänge bis zu 50 Prozent und sechs Prozent der Befragten erwarten sogar mehr als 50 Prozent Umsatzeinbruch. Ein Teil der Betriebe ist damit durch den Truppenabzug unmittelbar in seiner Existenz gefährdet.
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Befürchtete Umsatzrückgänge durch Truppenabzug
Negative Auswirkungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu erwarten
Große Herausforderungen ergeben sich aus den Ergebnissen für die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes. Unter den erschwerten Bedingungen eines Truppenabzuges sind allein bei den Betrieben, die sich an der Umfrage direkt beteiligten, insgesamt bis zu 500 Arbeits- und mehr als 50 Ausbildungsplätze in Gefahr. Folgende Abbildung zeigt eindrucksvoll, dass die Auswirkungen in den Bereichen Tourismus/ Gastronomie sowie Bau und Ausbau/ Immobilien besonders spürbar sein werden.
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Auswirkungen auf Arbeits- und Ausbildungsplätze
Die Befragung der IHK und HWK war auf die direkten Standorte der Britischen Truppen beschränkt. Es ist davon auszugehen, dass in der Tendenz, sicherlich nicht in gleichem Umfang, signifikante Auswirkungen auch in den an die untersuchten Standorte angrenzenden Orten zu erwarten sind. Erste Rückmeldungen von Unternehmen bestätigen dies.
Aus regionalwirtschaftlicher Sicht könnten sich die abzeichnenden Probleme noch verschärfen, wenn sich aus der anstehenden Bundeswehrstrukturreform zusätzliche Belastungen für die Region ergeben.