Die Bundeswehr soll etwa um ein Fünftel ihrer derzeitigen Größe schrumpfen – Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière kalkuliert zukünftig nur noch mit rund 175.000 Berufs- und Zeitsoldaten. „Weniger Soldaten, weniger Standorte und weniger Bürokratie“: So benennt de Maizière die Ziele seiner Reform.
In einem ersten Schritt wurde bereits zum 1. Juli des vergangenen Jahres die Wehrpflicht ausgesetzt. Bis zum Herbst sollte der zweite, ungleich komplexere Schritt zumindest absehbar sein: ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Verkleinerung der Bundeswehr und zur Straffung der Strukturen.
Von diesem Konzept ist bislang erstaunlich wenig bekannt. In einem Interview kündigte der Verteidigungsminister jedoch eher beiläufig an, die Länder mit den meisten Soldaten bezogen auf die Einwohnerzahl besonders zu belasten. Das stimmt aus norddeutscher Sicht nachdenklich – diese Quote ist in unserer Region allein aufgrund der Marinestützpunkte und der vergleichsweise geringen Bevölkerungszahl höher als in den süddeutschen Bundesländern.
Trotz der vagen Informationen ist bereits jetzt klar: „Bei einer kompletten Schließung von Standorten oder deutlichen Truppenreduzierungen kommen massive Einschnitte auf die Unternehmen an den jeweiligen Standorten zu“, sagt IHK-Vizepräsident Volker Meyer aus Munster. „Regionalwirtschaftliche Gesichtspunkte sollten deshalb bei der Beurteilung auch eine Rolle spielen.“ Allein im Bezirk unserer IHK gibt es acht Standorte mit insgesamt rund 12.300 Dienststellen. Die stärkste Konzentration befindet sich im Heidekreis mit mehr als 6.700 Stellen.
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Betroffene Unternehmen nach Branchen
Um mögliche Auswirkungen einer Bundeswehrstrukturreform auf die regionale Wirtschaft quantifizieren zu können, hat unsere IHK Mitgliedsbetriebe an den vier größten Standorten – Celle, Fassberg, Lüneburg und Munster – befragt. 218 Unternehmen mit rund 11.800 Arbeits- und 750 Ausbildungsplätzen haben geantwortet.
Die Unternehmen sind unterschiedlich stark mit den jeweiligen Bundeswehrstandorten verflochten. In Fassberg und Munster hat die Bundeswehr für drei Viertel der Betriebe eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. In Celle gilt dies etwa für die Hälfte, in Lüneburg nur für ein Drittel der lokalen Wirtschaft.
Die befürchtete Reduzierung der Standorte würde nicht nur die direkten Bundeswehr-Lieferanten treffen, sondern über die nachgelagerten Wirtschaftskreisläufe alle Branchen im Einzugsgebiet. Nach der
IHK-Umfrage
rechnen Handel und Immobilienwirtschaft mit den stärksten Umsatzeinbrüchen, Dienstleistungsbranchen und Tourismuswirtschaft erwarten die geringsten Auswirkungen.
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Durch Bundeswehr gesicherte Abreits- und Ausbildungsplätze nach Standorten (in Prozent)
Die Bundeswehr sichert Arbeitsplätze – sowohl durch direkte Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse als auch indirekt durch Aufträge an lokale Unternehmen. Auch hier zeigt sich, dass an den Standorten Fassberg oder Munster deutlich mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze von der Bundeswehr abhängen als an den Standorten Celle und Lüneburg. Nach Hochrechnungen der IHK stehen an den vier Standorten insgesamt rund 2.000 Beschäftigte in direkter Abhängigkeit zur Bundeswehr. Die tatsächlichen Auswirkungen der Strukturveränderungen könnten allerdings weitaus größer sein. Immerhin machen Soldaten allein am Standort Munster rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
„Die gesamte Region steht seit Jahrzehnten fest hinter der Bundeswehr“, sagt Volker Meyer: „Wenn bei der Strukturreform neben den hervorragenden Standortbedingungen auch die hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung sowie die eingespielten wirtschaftlichen Beziehungen in der Region berücksichtigt werden, kann eine Gesamtbeurteilung nicht zu Lasten unserer Standorte gehen.“