Geschäftsideen entwickeln, übernehmen oder kaufen?
Die Geschäftsidee steht am Anfang jeder Existenzgründung und ist - das erstaunt eigentlich nicht - erfolgsbestimmend. Es ist wichtig, der Entwicklung der Geschäftsidee ausreichend Zeit zu widmen. Sie muss im Vergleich zu den Wettbewerbern ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen und auf eine ausreichende Nachfrage treffen. Wenn Sie Unternehmer werden wollen, müssen Sie sich zunächst die Frage nach der Art der unternehmerischen Tätigkeit stellen. Dabei sind drei generelle Gründungsarten zu unterscheiden:
1. Neugründungen
Die Neugründung ist mit dem größten Risiko verbunden, eröffnet aber auch unter Umständen die größten Chancen, insbesondere wenn man mit seinem Unternehmen wirtschaftliches Neuland betritt. Sie beginnen bei null, müssen sich den Markt zunächst 'erarbeiten', um sich dann langsam zu etablieren. Der Zeitraum bis zur Etablierung wird in der Regel durch eine angespannte finanzielle Situation gekennzeichnet sein, da ausreichende Rückflüsse in der Anfangsphase zunächst ausbleiben werden. Agieren Sie in einem Segment, das bereits von anderen Wettbewerbern bearbeitet wird, kann es auch dazu kommen, dass diese gerade in Ihrer Anfangszeit unter anderem mit aggressiver Preisgestaltung auf Sie als neuen Wettbewerber reagieren werden. Durchhaltevermögen und ein langer finanzieller Atem sind dann gefragt. Existenzgründer sind aufgrund der beschränkten Eigenkapitalbasis hier häufig überfordert. Auf den Preis als Wettbewerbsinstrument zu setzen, kommt deshalb in der Regel nicht in Betracht. Die Geschäftsidee muss möglichst mit einem Alleinstellungsmerkmal verknüpft sein (Unique Selling Position, kurz USP). Kurzum: Sie müssen mit der Gestaltung und der Präsentation Ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung die Frage eindeutig beantworten, warum der Kunde bei Ihnen und nicht bei der Konkurrenz einkaufen soll - und dies zudem noch trotz eines höheren Preises. Hier erfordert es einiges an Vorarbeiten.
2. Übernahme eines bestehenden Betriebes
Die Betriebsübernahme wird oft auch als 'Existenzgründung light' angesehen, da man davon ausgeht, ein Unternehmen zu kaufen, das am Markt gut eingeführt ist und dessen Personal hoch motiviert und qualifiziert an die Arbeit geht. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Unternehmensnachfolge oft schwieriger ist als eine Unternehmensneugründung. Dies lässt sich teilweise mit der starken Prägung gerade mittelständischer Unternehmen durch ihren bisherigen Besitzer begründen. Scheidet dieser aus dem Unternehmen aus, können sich unter Umständen Kunden von der Firma abwenden (allein weil sich der Name geändert hat) und bisher vorhandene Kontakte des Seniors können nicht mehr genutzt werden. Auch können Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, das Know-how und die Kundenkontakte dieser Mitarbeiter gehen verloren und müssen in jahrelanger Arbeit mühsam wieder aufgebaut werden. Die Höhe des Übernahmepreises ist ebenfalls häufig ein kritischer Punkt. So werden oft überzogene Preise für den Kundenstamm und den Unternehmensnamen verlangt, die die Finanzierung erschweren und die Liquidität des Gründers einengen. Kurzum: Wenn Sie sich für diese Variante der Selbständigkeit entscheiden, müssen Sie sich mit besonderen Problemen auseinandersetzen. Mehr erfahren Sie an der nächsten Wegmarke des Gründerpfades ('Mögliche Formen der Existenzgründung'). Ggf. müssen Sie aber die Geschäftsidee Ihres Vorgängers weiterentwickeln, um dauerhaft im Markt zu bestehen. Der Spruch "Wer in jemandes Fußstapfen tritt, kommt selten als erstes an" hat schon seine Richtigkeit.
3. 'Miete' einer Unternehmensidee (Franchising)
Zum Thema Franchising informieren wir in unserem Gründerpfad ebenfalls an anderer Stelle, weshalb hier nur kurz auf diese Art der Unternehmensgründung eingegangen werden soll. Beim Franchising kaufen Sie kein ganzes Unternehmen, sondern nur eine Unternehmensidee, die ein sogenannter Franchise-Geber in Lizenz vertreibt (z. B. Mc Donalds, Eismann, Photo Porst, etc.). Sowohl der Franchise-Geber (Vermieter des Konzeptes) als auch der Franchise-Nehmer (Mieter des Konzeptes) bleiben dabei selbständig. Der Reiz dieses Systems besteht in den Verbundvorteilen (gemeinsamer Einkauf, gemeinsames Marketing, bundesweite oder sogar internationale Bedeutung des Angebotes). Auch haben Sie den Vorteil, dass Sie keine eigene Idee und kein umfangreiches Konzept entwickeln müssen. Der Nachteil ist, dass Sie es auch nicht dürften, wenn Sie wollen. Ihr unternehmerischer Rahmen ist eng gesteckt. Auch kann insbesondere die Vertragsgestaltung ein Problem sein. Seien Sie kritisch gegenüber solchen Verträgen, die Sie in fast allen Investitionsentscheidungen an Produkte des Franchise-Gebers binden und vergewissern Sie sich, wenn mit ausländischen Erfolgen geworben wird, ob der Franchise-Geber überhaupt im Inland vertreten ist ? Vielleicht sind Sie sonst das Versuchskaninchen auf dem deutschen Markt! Letztlich sollten Sie auch eine Geschäftsidee, die Sie kaufen, vorher auf ihren Gehalt hin überprüfen.