PROGNOSEN
Wie ist die Lage im IHK-Bezirk?
Die demografische Herausforderung
Im Bezirk der IHK Lüneburg-Wolfsburg fällt die jüngste Bevölkerungsprognose des Landesamtes für Statistik und Kommunikation (LSKN) sehr differenziert aus. Während die nördlichen Landkreise Lüneburg und Harburg bis 2031 noch mit jeweils 2,5 Prozent Bevölkerungszuwachs rechnen dürfen, kommen auf die südlicheren Landkreise zweistellige Bevölkerungsrückgänge zu (Abb. 1). Da die Prognose von relativ großzügigen Annahmen – z. B. bei der Migration – ausgeht, dürften diese Schätzungen sogar eher optimistisch sein.
© LSKN
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Abbildung 1
Das für die Unternehmen relevante Potenzial der erwerbsfähigen Personen im Alter zwischen 15 und 64 wird hingegen flächendeckend und teilweise auch dramatisch sinken. Die Landkreise Heidekreis (früher Soltau-Fallingbostel), Uelzen, Celle und Lüchow-Dannenberg müssen hier mit Rückgängen um etwa ein Viertel rechnen (Abb. 2).
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Abbildung 2
Das demografische Nadelöhr stellt sicherlich der Kreis der Erwerbsfähigen bis 50 dar. Aus dieser Gruppe rekrutieren die Unternehmen gegenwärtig einen Großteil ihres Personals. Hier sind über den gesamten IHK-Bezirk dramatische Rückgänge zu verzeichnen, die überwiegend um 30 Prozent pendeln und im Landkreis Lüchow-Dannenberg mit minus 41 Prozent einen Spitzenwert erreichen (Abb.3).
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Abbildung 3
Die künftige Arbeitsmarktsituation hängt selbstverständlich nicht nur von der Angebotsseite, sondern auch von der Nachfrageseite ab. Regionen mit sinkender Zahl der Erwerbsfähigen können durch diese Entwicklung noch moderat betroffen sein, wenn auch die Zahl der Unternehmen tendenziell zurückgeht. Regionen mit hohem Fachkräftebedarf, der z. B. aus Unternehmens-Clustern oder einem sich dynamisch entwickelnden Dienstleistungssektor resultiert, können sich hingegen auch dann nicht „zurücklehnen“, wenn die prognostizierte Entwicklung der erwerbsfähigen Bevölkerung noch einigermaßen glimpflich ausfällt. Klar ist: Der Wettbewerb der Regionen um die weniger werdenden klugen Köpfe ist bereits heute voll entbrannt und wird in der Zukunft noch deutlich zunehmen.
Die Herausforderung Fortschritt
Das Wissen erneuert sich in immer kürzeren Zyklen. Unternehmen, die auf ihren zunehmend globalisierten Märkten erfolgreich sein wollen, sind darauf angewiesen, den Anteil kompetenter Fachkräfte auszubauen und Qualifizierung als Daueraufgabe zu verstehen. Gesucht werden Menschen, die auf der Grundlage einer bereits hohen Qualifikation lernbereit, flexibel, interdisziplinär, teamorientiert, kommunikativ und möglichst auch weltgewandt sind. Erfolgreiche Arbeitnehmer werden künftig ihre Beschäftigungsfähigkeit lebenslang weiterentwickeln müssen. Auf der anderen Seite ermöglichen der Fortschritt bei den Kommunikationstechnologien und die Internationalisierung der Welt die Reorganisation betrieblicher Abläufe. Auch dienstleistungsbezogene Arbeitsschritte können zunehmend einfach ins Ausland verlagert werden.
Für Arbeitnehmer wird lebenslange Beschäftigungsfähigkeit (Employability) zur Notwendigkeit. Die Betriebe müssen sich so organisieren, dass der Produktionsfaktor Wissen optimal eingesetzt werden kann. Und die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften wird für die Regionen zum wohl entscheidenden Ansiedlungs- und Bindefaktor für Unternehmen.
Die Herausforderung Bildung
In einer Wissensgesellschaft wird (lebenslange) Bildung zum zentralen Erfordernis. Aber die Zahl der Schulabsolventen sinkt in den kommenden Jahren. Die Erwartungen der Wirtschaft an die Bildungsqualität werden hingegen weiter steigen. Dies stellt hohe Anforderungen an den Bildungserfolg, dem die Schulen gegenwärtig noch nicht gerecht werden können. Jeder Schüler muss – unabhängig von seiner sozialen Herkunft – zum bestmöglichen Abschluss geführt werden. Dies ist in erster Linie sicherlich eine Aufgabe der Schulpolitik, in zweiter Linie aber auch die konkrete Aufgabe von Schule vor Ort, die der Unterstützung von Kommunalverwaltung und regionaler Wirtschaft bedarf.
Die Herausforderung gesellschaftlicher Wandel
Das Angebot von Fachkräften hängt nicht nur von der Demografie, sondern auch entscheidend von der Beteiligung der Bevölkerung am Erwerbsleben ab. Diese wiederum variiert mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist in der Vergangenheit bereits spürbar gestiegen. Dieser Trend wird anhalten. Gleichzeitig ist gerade auch bei den jüngeren Generationen ein Wertewandel zu beobachten, der der Vereinbarkeit von Berufserfolg mit Familie und Freizeit eine wachsende Bedeutung zumisst. Die Menschen werden älter, sind gleichzeitig aber auch länger beruflich und privat aktiv. Unsere Gesellschaft wird internationaler und muss für Zuwanderung attraktiv sein. Sie wird kleiner, durch die größere Vielfalt an Lebensgestaltungsmöglichkeiten aber auch bunter und komplexer. Die Erwartungen an Unternehmen und Kommunen werden sich entsprechend ändern und ebenfalls vielfältiger werden.

