. .

Illustration

ANALYSE

Risikomanagement

Risikomanagement will Chancen und Risiken eines Unternehmens systematisch identifizieren und optimieren. Dieses Ziel ist grob gesagt dann erreicht, wenn der Finanzierungsbedarf und die Finanzierungsfähigkeit eines Unternehmens dauerhaft aufeinander abgestimmt sind. Das Unternehmen muss jederzeit in der Lage sein, vorteilhafte Investitionsprojekte auch durchführen zu können. Wertsteigernde Projekte dürfen nicht daran scheitern, dass die für die Investition notwendige Liquidität nicht verfügbar ist oder aber zu einer empfindlichen Erhöhung der Kapitalkosten führt. Anders ausgedrückt erfüllt Risikomanagement dann seinen Zweck, wenn das Unternehmen dadurch Risiken vermeiden, seine Chancen konsequent nutzen und den Unternehmenswert steigern kann. Risikomanagement schafft darüber hinaus eine Möglichkeit, das eigene Unternehmen professioneller zu gestalten.

1. Wie ist Risikomanagement entstanden?

Die zunehmende Globalisierung des Wettbewerbs und der Unternehmenstätigkeit, deregulierte und fragmentierte Märkte, besser informierte und anspruchsvollere Kunden sowie die rasante Entwicklung des e-business prägen das heutige Umfeld der Unternehmen. Diese Rahmenbedingungen, zusammen mit der Tendenz zu schlanken, dezentralen Unternehmens-Strukturen, bedeuten für die Unternehmensführung neue Herausforderungen. Es wird heute immer schwieriger, die komplexen Strukturen eines Unternehmens zu analysieren und zu bewerten. Für viele Unternehmen sind neue Risiken entstanden, die mit traditionellen Risikofinanzierungsmethoden nicht abgedeckt werden können. Spätestens seit den spektakulären Unternehmenskrisen Anfang der neunziger Jahre, denen im Inland wie im Ausland ein unsachgemäßer, unkontrollierter Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten zugrunde lag, ist das Thema 'Risikomanagement' in aller Munde. Die im Herbst 1997 durch Devisenoptionsgeschäfte ausgelöste Asienkrise und die in der Folge aufgetretenen Bankenzusammenbrüche unterstreichen die Gefahren, die die weltweit vernetzten Finanzmärkte in sich bergen. Der deutsche Gesetzgeber legte daraufhin das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) vor. Das Gesetz ist zum 1. Mai 1998 in Kraft getreten und spiegelt sich in Änderungen im Aktiengesetz und GmbH-Gesetz wider. Ein angemessenes Risikomanagement ist seitdem wichtiger Bestandteil der Sorgfaltspflichten eines Vorstandes oder GmbH-Geschäftsführers.

Was für Kapitalgesellschaften zwingend vorgeschrieben ist, sollte von allen anderen Unternehmensformen als Chance gesehen und ebenfalls genutzt werden. Jedes Unternehmen sollte und wird bestrebt sein, die sich im Markt bietenden Chancen zu nutzen. Ziel eines sinnvollen Risikomanagements kann es daher nicht sein, sämtliche Risiken eines Unternehmens zu vermeiden, sondern sie bewusst und zielorientiert anzugehen. Bereits existierende Risiken sollten systematisch analysiert und bewertet werden. Ein effizientes Risikomanagement bedeutet gleichzeitige Chancennutzung bei proaktiver Kontrolle und Steuerung der akzeptierten Risiken. In der Praxis häufig erprobte methodische Ansätze - wie die Methodik des Risk Management Competence Center Europe (RMCE) - umfassen alle Phasen von der Risikoanalyse über die Risikoaggregation und die Risikobewältigung bis hin zur organisatorischen Gestaltung eines Risikomanagementsystems. Sie zeigen, dass mit einem solchen fundierten und fokussierten Konzept in kurzer Zeit ein ökonomisch wertvolles Risikomanagementsystem aufgebaut werden kann.

Ein weiteres wichtiges Thema, das an dieser Stelle genannt werden muss, ist Basel II. Hinter diesem Stichwort verbirgt sich im wesentlichen das Ansinnen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die Risikosteuerung der Banken bei der Kreditvergabe an gewerbliche Kunden zu verbessern. Die Eigenkapitalhinterlegungsverpflichtung der Banken und Sparkassen richten sich mittlerweile nach der in standardisierten Bewertungsverfahren (sog. Ratings) ermittelten Bonität der Kreditnehmer. Ein Rating ist an sich nichts anderes als eine Stärken-Schwächen-Analyse für einen Betrieb. Im Zusammenhang mit Basel II bedeutet Rating stets 'Credit Rating' - die Beurteilung des Kreditausfallrisikos. Die sich aus dem Rating ergebenden Bonitätsbewertungen sollen im Grunde die Frage beantworten, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Unternehmen den Kredit innerhalb der nächsten zwölf Monate nicht zurückzahlen kann. Um ein gutes Rating zu erzielen und langfristig zu sichern, ist ein funktionierendes Risikomanagement von wesentlicher Bedeutung.

Auf Grund fehlender Erfahrung in der Vergangenheit haben sich viele Unternehmen - durchaus auch mit Unterstützung von Beratern - beim Aufbauen eines Risikomanagementsystems unnötig schwer getan. Nicht selten ist die anfängliche Euphorie über die Möglichkeiten des Risikomanagements in Resignation umgeschlagen, weil trotz hohem Aufwand und einer Vielzahl von erhobenen Daten über Risiken sinnvolle Entscheidungsgrundlagen für die Unternehmensführung nicht entstanden sind. Ursächlich hierfür war häufig der mangelnde Zuschnitt des Risikomanagementsystems auf das jeweilige Unternehmen. Jedes Unternehmen, das Risikomanagement einführen will, muss sich darüber klar werden, was zu einem Risikomanagement gehört und wie es individuell auf das eigene Unternehmen zugeschnitten umgesetzt werden kann. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über wesentliche Bestandteile und Möglichkeiten der Umsetzung eines Risikomanagement-Systems.

Bookmark setzen bei: Twitter Bookmark setzen bei: Facebook Bookmark setzen bei: XING  Bookmark setzen bei: MySpace Bookmark setzen bei: Yahoo Bookmark setzen bei: Google
 
 
 
  • MEHR ZU DIESEM THEMA

  • ANSPRECHPARTNER

  • Telefon: 04131 742-125
  • Fax: 04131 742-225
  • Standort: Lüneburg

Kontakt speichern

DOKUMENT-NR. 9844